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Transplantation
Zur Zeit warten etwa 12.000 Patienten auf ein Spenderorgan.
Im Jahre 2008 konnten nur 4.675 Organe transplantiert werden. Die Kluft zwischen dem Bedarf an Organen und den realisierten Transplantationen ist groß. Transplantationen sind nur möglich, wenn Menschen sich zu Lebzeiten mit der Organspende auseinandersetzen, dazu eine persönliche Entscheidung treffen, diese schriftlich festhalten und mit ihren Angehörigen sprechen. Ist der Wille des Verstorbenen nicht bekannt, so entscheiden stellvertretend die Angehörigen – seinem mutmaßlichen Willen folgend.
Organspende nach dem Tode
Nach dem Tode können unter bestimmten Bedingungen Organe entnommen und einem schwerkranken Menschen transplantiert werden. Die Voraussetzungen sind:
die Einwilligung des Verstorbenen oder – stellvertretend – seiner Angehörigen
Der Tod muss zuvor durch vollständigen, irreversiblen Ausfall der gesamten Gehirntätigkeit (Hirntod) eingetreten sein, bei gleichzeitiger künstlicher Aufrechterhaltung von Atmung und Kreislauf. Er muss von zwei unabhängigen erfahrenen Ärzten nach den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Hirntod-Diagnostik festgestellt worden sein.
Gespendet und transplantiert werden Nieren, Leber, Herz, Lunge, Pankreas und Dünndarm, außerdem Gewebe wie z.B. Hornhaut und Knochen.
Durch die Organspende nach dem Tode kann jedes Jahr 4.000 Menschen in Deutschland geholfen werden, am Leben zu bleiben oder eine bessere Lebensqualität zu genießen.
Lebendspende
Bestimmte Organe oder Organteile können bereits zu Lebzeiten gespendet werden. So kann ein gesunder Mensch mit guter Nierenfunktion eine Niere spenden, ohne Beeinträchtigungen durch das Fehlen des Organs befürchten zu müssen. Die verbliebene Niere kompensiert den Ausfall. Ebenso kann ein Teil der Leber zur Transplantation entnommen werden. Die Zahl der Lebendspenden hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ursachen sind die rechtliche Sicherheit durch das Gesetz sowie die guten internationalen Ergebnisse. Auch der Mangel an Organspenden nach dem Tode sowie der steigende Bedarf an Transplantationen hat die Entwicklung der Lebendspende begünstigt.
Operationsverfahren
Die Nierentransplantation wird in der Regel heterotop durchgeführt das heißt, das Spenderorgan wird nicht an die Stelle der eigenen Nieren transplantiert, sondern außerhalb des Bauchfells im Bereich des Beckens. Die Blutgefäße der Spenderniere werden dabei in der Regel an die Beckengefäße angenäht, während der Harnleiter direkt mit der Blase verbunden wird. Die eigenen Nieren können daher zumeist im Körper verbleiben, nur bei speziellen Indikationen müssen sie vor oder nach der Transplantation entfernt werden. In den meisten Fällen nimmt das Transplantat noch während der Operation die Funktion auf, in einigen Fällen sind allerdings postoperativ noch einige Dialysen notwendig. Operative Komplikationen sind unter anderem Infektionen, Blutungen, eine Verengung des Transplantatharnleiters sowie Narbenbrüchen nach der Operation.
Immunsuppression
Um eine Abstoßung zu verhindern, müssen nach erfolgter Transplantation Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem des Empfängers dämpfen, damit das Spenderorgan nicht vom Immunsystem angegriffen wird. Diese Medikamente bezeichnet man als Immunsuppressiva.
Während der ersten Phase nach der Transplantation werden die Medikamente in hoher Dosierung verabreicht, später kann in aller Regel die Dosis reduziert werden. Typische Nebenwirkungen sind eine erhöhte Infektionsanfälligkeit, ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen der Haut und des Blutes, sowie eine erhöhte Rate von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Die Medikamente wirken auch nephrotoxisch, das heißt sie haben einen schädigenden Einfluss auf die Nierenfunktion und dürfen daher nicht überdosiert werden.
Geschichte der Nierentransplantation
1902 - weltweit erste experimentelle Nierentransplantation durch den Österreicher Emerich Ullmann bei einem Hund in Wien.
1947 scheiterte David M. Hume in Boston mit der ersten Nierentransplantation an einer jungen Frau aufgrund der folgenden Abstoßungsreaktionen.
1953 - die weltweit erste erfolgreiche Nierentransplantation von einem Lebendspender führte der Chirurg Jean Hamburger in Paris durch. Der 16-jährige Patient, der die Niere seiner Mutter erhält, überlebte jedoch nur kurz.
1954 - die erste längerfristig erfolgreiche Transplantation fand zwischen zwei Brüdern (Gebr. Herricks; Überlebensdauer 8 Jahre) in Boston am Peter Bent Brigham Hospital statt. Joseph Murray erhielt den Nobelpreis für Medizin.
1966 wurde die erste deutsche Nierentransplantation durchgeführt, und zwar in der Uniklinik Halle.
2004 gelang einem Team des Uniklinkums Freiburg unter Leitung von Günter Kirstein zum ersten Mal in Deutschland eine Lebend-Nieren-Transplantation, obwohl die Blutgruppen von Spender und Empfänger inkompatibel waren.