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Die Nieren und ihre Funktion
Nieren sind die Recyclingspezialisten unseres Körpers.
Sie trennen wieder verwertbare Substanzen und zur Ausscheidung bestimmte Substanzen voneinander. Aber die Nieren können weit mehr, als eine einfache "Mülltrennungsanlage". Die Nieren greifen regulierend in unterschiedlichste Mechanismen des Körpers ein, damit der Organismus reibungslos funktioniert und sie selbst nicht überlastet werden. Neben ihrer Entgiftungsfunktion regulieren die Nieren den Blutdruck, den Säuren-Basen-Haushalt und den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt. Nieren regen den Körper zur Bildung roter Blutkörperchen an.
Die Nephrologie, die sich mit Aufbau, Funktion und Erkrankungen der Niere beschäftigt, ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin. Häufige Beschwerden bei Nierenerkrankungen sind verminderte Harnausscheidung, Wasseransammlungen im Körper, Blut im Urin, Schmerzen und Bluthochdruck.
Aufbau und Funktion
Die Nieren sind rotbraun gefärbt, etwa 6 cm breit und 11 cm lang und 2,5 cm dick. Sie liegen unterhalb des Zwerchfells links und rechts neben der Wirbelsäule. Obwohl sie nur sehr klein sind, enthalten sie ein kilometerlanges Röhren- und Filtersystem. Der komplexe Aufbau ist notwendig, um die vielfältigen Aufgaben der Nieren sicher und zuverlässig erfüllen zu können.
Aufgabe der Nieren
Obwohl die Nieren verhältnismäßig klein sind, nehmen sie eine zentrale Stellung im menschlichen Stoffwechsel ein. Dies wird beispielsweise daran deutlich, dass sie von einem Viertel des Herzminutenvolumens durchflossen werden. Als Herzminutenvoulmen bezeichnet man die Menge Blut, die das Herz pro Minute pumpt. Allgemein bekannt ist, dass die Nieren die Aufgabe haben, den Harn aufzubereiten und auszuscheiden. Die Wort Harn ist gleichbedeutend mit dem Wort Urin. Der Ursprung des Wortes Harn ist Althochdeutsch. Das Wort "haran" bedeutet "das Ausgeschiedene". Aber die Aufgaben der Nieren sind aber weitaus vielfältiger und komplexer
Die wichtigsten Aufgaben der Nieren sind:
* Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten vor allem aus dem Eiweißstoffwechsel
* Ausscheidung von Fremdstoffen und Umweltgiften, die mit der Nahrung in den Körper gelangt sind.
* Regulierung der Elektrolytkonzentration des Körpers
* Regulierung und Konstanthaltung des Wassergehaltes und des osmotischen Drucks
* Umwandlung der Vitamin-D-Vorstufe in das wirksame Vitamin-D-Hormon Kalzitriol.
* Erythropoetin reguliert den Sauerstoffgehalt des Blutes und regt die Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) an. Dies geschieht dadurch, das die Niere den Sauerstoffgehalt im Blut überwacht. Sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, wird Erythropoetin ausgeschüttet. Durch das Erythropoetin wird dem Kochenmark signalisiert, mehr rote Blutkörperchen zu produzieren. Weil die roten Blutkörperchen Sauerstoff transportieren, steigt dadurch die Konzentration von Sauerstoff im Blut wieder an.
Nierenerkrankungen
Nierenentzündung-Glomerulonephritis
Unter dem Begriff Nierenentzündung (Glomerulonephritis) versteht man eine Reihe verschiedener Erkrankungen, bei denen sich Teile des Nierengewebes entzünden. Ursache ist in den meisten Fällen eine gegen körpereigene Strukturen gerichtete Reaktion des Immunsystems (Autoimmunreaktion), bei der das Immunsystem Teile der Niere angreift.
Man kann fünf Formen unterscheiden:
die akute Glomerulonephritis, die rasch progrediente (fortschreitende ), Glomerulonephritis (RPGN) das nephrotische Syndrom, die chronische Glomerulonephritis, die asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin)/Hämaturie (Blut im Urin).
Abhängig davon, welche Form vorliegt, variieren auch die auftretenden Symptome und Therapiemöglichkeiten. Während bestimmte Formen der Nierenentzündung die Nierenfunktion kaum beeinträchtigen, können andere zu einer Niereninsuffizienz führen. In letzterem Fall ist unter Umständen eine Dialyse oder Transplantation die einzige Behandlungsmöglichkeit.
Zum Teil dauert es Jahre, bis die Betroffenen erste Symptome bemerken, denn im Unterschied zu einer Nierenbeckenentzündun (Pyelonephritis) verläuft sie meist schmerzfrei. Am ehesten zeigt sich eine Nierenentzündung durch eine Veränderung des Urins. Ein trüber Urin weist darauf hin, dass Eiweiß ausgeschieden wird.
In manchen Fällen lagert sich bei einer Nierenentzündung auch Wasser im Gewebe ein und lässt dieses anschwellen. Diese Ödeme zeigen sich vorwiegend durch angeschwollene Beine.
Zystennieren
Zystennieren werden meist vererbt. Die häufigste Form der Zystennieren führt ab dem 40. Lebensjahr zu fortschreitendem Nierenversagen und macht in der Folge eine Nierenersatz-Therapie notwendig.
In der Regel handelt es sich bei zystischen Nierenerkrankungen um Entwicklungsanomalien, die vereinzelt oder durch Vererbung auftreten. Nierenzysten und Zysten werden in erster Linie mithilfe von bildgebenden Verfahren wie durch Röntgen oder durch eine Computertomographie diagnostiziert.
Bei beiden Erkrankungen können lediglich die Symptome behandelt werden, die Ursachen selbst dagegen nicht.
Auch Zystennieren bleiben meist lange Zeit ohne Symptome. Später haben die Betroffenen Schmerzen im Nierenbereich und manchmal auch plötzliche Harnblutungen. Die Spätfolgen sind eine geminderte körperliche Leistungsfähigkeit und eine zunehmend eingeschränkte Nierenfunktion.
Akutes Nierenversagen
Unter akutem Nierenversagen (ANV) versteht man eine vorübergehende (reversible), plötzlich auftretende, unzureichende oder völlig ausgefallene Nierenfunktion mit normaler, verminderter oder fehlender Harnproduktion.
Die Behandlung des akuten Nierenversagens zielt darauf ab, die zugrunde liegenden Ursache zu beseitigen. Begleitend können Elektrolytentgleisungen oder Störungen des Wasserhaushalts (Ödembildung) symptomatisch behandelt werden.
Wenn das akute Nierenversagen rechtzeitig behandelt und die auslösenden Ursachen beseitigt werden, ist die langfristige Prognose gut. In den meisten Fällen kann die Nierenfunktion wiederhergestellt werden.
Ein akutes Nierenversagen (ANV) äußert sich je nach Stadium durch unterschiedliche Beschwerden. Aussagekräftig ist meistens die Urinmenge, die je nach Stadium deutlich von der normalen Menge von 1 bis 1,5 Liter pro Tag abweicht.
Stadium I:
Im ersten Stadium des akuten Nierenversagens werden es die Nieren aufgrund einer Grunderkrankung geschädigt. Die Urinmenge beträgt etwa 500 Milliliter pro Tag.
Stadium II:
Innerhalb von neun bis elf Tagen verringert sich die Harnmenge deutlich auf unter 500 Milliliter pro Tag (Oligurie). Im Urin können Eiweiß und Blut nachgewiesen werden.
Stadium III:
Im dritten Stadium des akuten Nierenversagens kommt es innerhalb von zwei bis drei Wochen zu einer übermäßigen Harnausscheidung von über zwei Litern pro Tag.
Stadium IV:
Stadium vier des ANV bezeichnet das Abheilen. Die Nierenfunktion wird weitestgehend wieder hergestellt, kann jedoch eingeschränkt bleiben. Die Harnmenge normalisiert sich auf 1 bis 1,5 Liter pro Tag.
Chronische Niereninsuffizienz
Eine chronische Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen) ist dadurch gekennzeichnet, dass die Funktion der Niere über einen langen Zeitraum mehr und mehr gemindert wurde, bis die Niere ihre Aufgaben nicht mehr richtig erfüllen kann.
Frühzeitige Gegenmaßnahmen können diesen Vorgang meist stoppen oder sogar rückgängig machen.
Gesunde Nieren entgiften den Körper (durch Ausscheiden von Abfall- und Fremdstoffen über den Harn) und regulieren den Flüssigkeitshaushalt. Wenn dies infolge einer chronischen Niereninsuffizienz nicht mehr richtig funktioniert, äußert sich das durch vielfältige Symptome: Es können Anzeichen der Überwässerung wie Ödeme, Bluthochdruck, Übelkeit, und Erbrechen bis hin zu einer Blutarmut (Anämie) auftreten.
Für eine chronische Niereninsuffizienz kommen viele Ursachen infrage. Oft lösen ein langjähriger Diabetes oder Bluthochdruck, eine übermäßige Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln und entzündliche Nierenerkrankungen eine Niereninsuffizienz aus.
Die Therapie der chronischen Niereninsuffizienz richtet sich danach, welche Grunderkrankung vorliegt und welches Stadium die Nierenerkrankung erreicht hat. Solange die Nierenfunktion noch nicht vollständig erloschen ist (das heißt: solange das Endstadium der chronischen Niereninsuffizienz – das terminale Nierenversagen – noch nicht erreicht ist), können eine geeignete Therapie und geänderte Lebensgewohnheiten den fortschreitenden Funktionsverlust der Nieren meist aufhalten. Bei einer gering ausgeprägten Niereninsuffizienz reicht in der Regel eine medikamentöse und konservative Behandlung. Im Endstadium ist eine Nierenersatz-Therapie in Form von Dialyse oder Transplantation notwendig.
Der für eine chronische Niereninsuffizienz kennzeichnende Verlust des funktionstüchtigen Nierengewebes führt dazu, dass die Niere ihre Aufgaben, wie Entgiftung des Körpers und Regulierung des Wasserhaushalts, nicht mehr richtig erfüllen kann.
Mögliche Anzeichen hierfür sind Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Übelkeit, Erbrechen, und Durchfall. Die erhöhte Konzentration von Giftstoffen im Körper kann sich auf Nerven auswirken – mögliche Folgen sind neurologische Symptome wie Sensibiltätsstörungen und Konzentrationsschwächen. Durch die verminderte Hormonfreisetzung kann sich zudem das Blutbild verändern. Eine nierenbedingte Blutarmut (renale Anämie) fällt durch rasche Ermüdbarkeit, Blässe und herabgesetzte körperliche Belastbarkeit auf.
Die chronische Niereninsuffizienz wird in Abhängigkeit vom Schweregrad in 4 Stadien eingeteilt:
kompensiertes Stadium: Die Filterleistung ist eingeschränkt, aber der Kreatininspiegel im Blut ist noch normal.
kompensierte Retention: Erhöhung des Kreatininspiegels im Blut, aber keine Beschwerden
präterminale Niereninsuffizienz: Erhöhung des Kreatininspiegels im Blut, außerdem Auftreten typischer Beschwerden wie Übelkeit, morgendliches Erbrechen, Leistungsknick, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Juckreiz, Konzentrationsschwäche, Atemnot, Missempfindungen (z.B. Kribbeln) und Krämpfe.
Terminale Niereninsuffizienz: Erhöhung des Kreatininspiegels im Blut, Übersäuerung des Blutes (da chemisch saure Stoffe nicht mehr in ausreichendem Maße über die Nieren ausgeschieden werden können), Auftreten typischer Beschwerden wie vertieften Atmung, sinkender Blutdruck und evt. Schock, Notwendigkeit der Durchführung einer Dialysebehandlung.
